Werkbank
Handwerkskunst

Mixed Media Collagen – mein Notizblock als Kunstprojekt

Wenn das Fountain-Pen-Notizbuch zum Experimentierfeld wird. Materialien, Methoden, Chaos.

Ich benutze seit Jahren Notizbücher. Meistens A5, meistens Dotgrid, meistens irgendwas von Leuchtturm oder Clairefontaine. Ich fülle sie mit Skizzen, Gedankenfetzen, Projektnotizen, Dingen die ich nicht vergessen will und sofort vergesse sobald ich sie aufgeschrieben hab.

Irgendwann hab ich angefangen, die Seiten nicht mehr nur zu beschreiben, sondern zu gestalten. Nicht im Sinne von Bullet-Journaling mit bunten Headern und Habit-Trackern. Eher im Sinne von: Was passiert wenn ich alte Zeitungsausschnitte einklebe? Acrylfarbe drüber? Brotgold? Transparentpapier, auf dem etwas steht das ich eigentlich nicht sehen will?

Was ich benutze

Kleber: Neopren-Kleber aus dem Baumarkt für schwere Materialien, Pritt-Stift für Papier, Decoupage-Kleber wenn es versiegelt werden soll.

Farbe: Acryl (günstig ist okay, man will keine Schichten), Aquarell für Hintergründe, Tusche für Linien. Kein Öl – das trocknet nie.

Papier und Textil: Zeitungen, alte Briefmarken, Notenpapier aus einem Flohmarkt-Musikbuch, ein Stück Leinengewebe das mal ein Briefumschlag war.

Schrift: Rotring Rapidograph 0.5mm für Präzision, Brush Pen für alles was expressiver sein soll, Typewriter wenn ich etwas distanzierter klingen will.

Was ich gelernt hab

Mixed Media funktioniert nicht wenn man ein Endergebnis im Kopf hat. Wer “ich will, dass das so aussieht” denkt, wird frustriert sein. Wer “ich schaue was passiert” denkt, kommt weiter.

Das klingt nach Hippie-Credo. Ist es ein bisschen. Aber es ist auch echte Beobachtung: Die interessantesten Seiten in meinen Notizbüchern sind die die entstanden wenn ich keine Zeit hatte zu kontrollieren. Schnell was draufgeklebt, Tusche drüber bevor die Schicht trocken war, drei Lagen aus drei verschiedenen Projekten die sich überlagern.

Praktisches Problem: Durchbluten

Dünnes Papier und Acrylfarbe vertragen sich nicht. Die Farbe durchdringt die Seite, klebt die nächste fest, und man hat ein Notizbuch mit einem konzertierten Betonblock in der Mitte.

Lösung: Gessobilder als Grundierung. Eine dünne Schicht Gesso auf die Seite, trocknen lassen, dann Farbe drauf. Das laminiert das Papier minimal und gibt ihm genug Halt.

Alternativ: Notizbücher mit dickem Papier – 160 g/m² aufwärts. Das ändert aber das Schreibgefühl, und wer mit einem Fountain Pen schreibt bemerkt das.


Es gibt keinen richtigen Weg. Das ist, als Designerin die sonst sehr viel mit Regeln und Systemen arbeitet, auch ein bisschen der Punkt.