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Handwerkskunst

Wie das Logo entstand

Eine Frage über Formen, eine geometrische Obsession und sechs Blütenblätter die sich von selbst zusammensetzen.

Es fing mit einer ziemlich naiven Frage an: Welche Form ist eigentlich die ästhetischste?

Nicht welche Form am besten zur Marke passt, nicht welche am erkennbarsten ist — einfach nur: Welche macht Spaß anzuschauen?

Die Antwort war das goldene Rechteck. Proportionen von 1:1,618, der goldene Schnitt. Das menschliche Auge bewegt sich darin am natürlichsten, keine Spannung, kein Zuviel. Aber das Rechteck hat ein Problem: Es ist nur angenehm. Es überrascht nicht.

Der Kreis kam als zweiter Kandidat. Vollständig, ruhig, unveränderlich. Gut für Vertrauen, schlecht für Persönlichkeit.

Und dann: die Vesica Piscis.

Was ist das überhaupt?

Zwei Kreise gleichen Radius, deren Mittelpunkte genau einen Radius voneinander entfernt sind. Die Schnittfläche dazwischen — diese mandelförmige Linse — heißt Vesica Piscis. Lateinisch für Fischblase, was wenig romantisch klingt, aber die Form selbst sieht aus wie ein Blütenblatt.

Und wenn man sechs davon übereinanderlegt, je um 60° versetzt, entsteht die Blume des Lebens.

1 Vesica
3 Vesicas
6 Vesicas
Animiert

Varianten

Dieselbe Form, vier verschiedene Rendering-Entscheidungen.

Outline
Ghost
Filled
Knockout

Vier Versuche

Der erste Entwurf: ein einzelnes Blatt, vertikal, nur der Umriss. Sauber, minimalistisch, funktioniert als Favicon oder Prägung. Aber zu still.

Drei Vesicas bei je 120° — ein Triquetra, keltisch anmutend. Wo sie sich überschneiden entsteht ein Dreieck im Negativraum. Interessant, aber zu geschlossen, zu symbolisch aufgeladen.

Sechs Vesicas, der vollständige Kern der Blume des Lebens. Das war der Moment. Nicht wegen der Mystik dahinter — sondern weil die Form geometrisch vollständig wirkt, ohne statisch zu sein. Sechs Blütenblätter, 60° versetzt, jedes teilt sich mit zwei Nachbarn. Die Überlappungen entstehen von selbst.

Die Animation

Irgendwann kam die Frage: Was wenn die Blüte sich beim Laden selbst aufbaut? Blatt für Blatt, 170ms gestaffelt, bis der Mittelpunkt als letztes erscheint.

Das ist das Logo das jetzt oben in der Ecke sitzt. Es dreht sich leicht wenn du scrollst — proportional zu wie weit du gescrollt hast, 60° maximal, was einer vollen Petal-Periode entspricht. Danach sieht es identisch aus, die Symmetrie spielt es.

Im Leerlauf läuft eine Welle durch die Blüte: jedes Blatt dimmt kurz ab, reihum, als würde Licht im Kreis fließen.

Was passiert wenn es sich schnell dreht

Die 6-fache Symmetrie macht etwas Merkwürdiges bei hohen Geschwindigkeiten.

Blume antippen um Rotation zu starten — nochmal antippen zum Stoppen
Langsam — 3s
Mittel — 1s
Schnell — 0.5s
Sehr schnell — 0.25s

Bei langsamer Rotation sieht man noch jedes einzelne Blütenblatt wandern. Ab mittlerer Geschwindigkeit passiert etwas anderes: das Auge kann den einzelnen Formen nicht mehr folgen und wechselt in einen anderen Wahrnehmungsmodus.

Der Ring-Effekt. Bei ~3 Umdrehungen pro Sekunde verschmelzen die Blütenblätter zu einem fließenden Ring — das Gehirn mittelt die rotierenden Formen zeitlich und sieht einen Kreis, den es gar nicht gibt. Die goldenen Bögen erzeugen durch ihre Überlagerung eine Scheibe die heller wirkt als die Summe ihrer Teile.

Die Symmetrie-Erscheinung. Bei noch höherer Geschwindigkeit erscheint ein sechsstrahliger Stern im Mittelpunkt — die Schnittpunkte der Blütenblätter hinterlassen als Nachbild ein statisches Muster, obwohl sich alles dreht. Das Auge konstruiert etwas das nicht existiert.

Der Stillstand. Sehr schnell gedreht kann die Blüte scheinbar stehen bleiben oder sich rückwärts drehen — der klassische Wagenrad-Effekt. Entsteht wenn die Bildwiederholrate des Monitors oder das Blinzeln des Auges mit der Rotationsfrequenz in einem ungünstigen Verhältnis stehen. Bei 6-facher Symmetrie reicht schon ein 60°-Sprung damit die Blüte identisch aussieht.

Das ist der Teil den ich nicht geplant hatte. Die Geometrie macht es von selbst.

Was rückblickend interessant ist

Ich habe nicht nach einem Logo gesucht das Design kommuniziert. Ich habe nach einer Form gesucht die sich richtig anfühlt. Die Vesica Piscis ist das Ergebnis einer geometrischen Konstruktion — zwei Kreise, eine Schnittmenge — und trotzdem sieht sie organisch aus. Pflanzlich. Als wäre sie gewachsen.

Das ist der Teil der mir daran gefällt.