Werkbank
Handwerkskunst

Frau D. Anke

3D-Drucker, Lasergravur auf Messing und Schiefer, selbstgeknüpfte Perlenketten und literweise goldener Lackstift — wie aus purer Dankbarkeit ein aufwändiges Bastelprojekt wurde.

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Oh mann, der August war ein wilder Monat! Mein erster Monat im Vollzeit-Geschehen als freiberufliche Crossmedia Designerin. Und obwohl ich noch am Anfang bin und der Alltag sich noch nicht eingegrooved hat, bin ich jeden Tag nonstop am Gestalten.

Da gibts natürlich die Bürokratie, Anträge müssen gestellt werden, Steuerdokumente erledigt, dann Absicherungen für jenes und dieses…, aber hey, das sollte mich nicht aufhalten, hier jetzt fett durchzustarten.

Den August war ich also hinweg damit beschäftigt, für diejenigen, die mir Glauben an mich selbst schenkten, eine Danke-Box zu gestalten. Es sollte etwas Selbstgemachtes sein. Auch ein bisschen etwas “Was, das hast du selbst gemacht?”-Effekt haben. Und natürlich auch bisschen angeben, was ich alles kann. Und vor allem wollte ich euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich wollte eine Box, die das Simpelste auf eleganteste Art und Weise verpackt: Ein kleines Danke.

I

Und so begab ich mich auf die Reise durch den 3D-Drucker, modellierte in mehreren Dimensionen mein Logo nach, entwickelte eine ordentliche Anschlussstelle für eine Schlüsselanhänger-Kompatibiltät (was ein Wort, oder? Take that, KI!). Diese Disziplin hat mich in punkto kleiner Schriftzüge sehr schnell im Stich gelassen, dafür ist die Düse, auf die ich netterweise Zugriff hatte (Danke an den Reifenhandel Vogt in Oberlascheid für die freundliche Erlaubnis, Markus’ 3D-Drucker zu benutzen) mit 0,4mm einfach zu dick. Bis die Schrift einigermaßen lesbar war, war der Schlüsselanhänger 15cm lang - ein Schuhlöffel quasi!

Slicer-Software mit dem Modell der Schlüsselanhänger-Anschlussstelle
Erster überlanger 3D-Druck-Prototyp mit Schriftzug, quasi ein Schuhlöffel
ein Schuhlöffel quasi!

Also ging ich zurück zur Blume allein und druckte hier meine ersten Prototypen.

Druckdateien der Blumen- und Schlüsselanhänger-Modelle in der Slicer-Bibliothek Batch-Druckplatte mit vielen Blumen für die Serienproduktion

So hatte ich dann meinen Schlüsselanhänger und trug ihn probe - am Rucksack, am Autoschlüssel, am Haustürschlüssel, am Gym-Bag. Bisher hielt er stand und brach nicht. Nun hatte ich aber kein Branding an meinem fancy Key-Chain - lediglich die Blume erinnerte vage an mich, aber kein Schriftzug - keine Zuordnung. Also setzte ich mich bei Markus einen Platz weiter und öffnete vorsichtig die Haube der Gravurmaschine. Hier gab es fancy Hardware wie Lasern mit IR-Diode oder mit Blaulicht. Nachdem ich einige Knöpfe und Drehoptionen für Leistung, Geschwindigkeit, Impulsbreite und Frequenz fand, ging das hochpräzise Kokeln aus Diamantenaugen los.

das hochpräzise Kokeln aus Diamantenaugen

Ich wählte kleine, delikate, goldfarbene Plättchen aus Messing. Das erinnerte mich daran, dass mein Saxophon aus Messing war. Material trägt Bedeutung, und hier ist Messing für mich kein Ausweichen, weil das klassische goldene Material zu teuer war, sondern ein bewusstes Greifen zu Materialien, die bekannt waren. Diese erhielten eine Gravur - vorne personalisiert von einem Freund der Name, oder das Logo der betreffenden Firma, auf der anderen Seite meine Domain auf der Blume des Lebens.

Finales Gravur-Motiv: Blume und Domain auf goldenem Messing-Plättchen
mehr aus der Werkstatt
Laser-Software mit Einstellungen für Leistung, Geschwindigkeit, Impulsbreite und Frequenz
Messing-Plättchen auf dem Lasertisch vor der Gravur
Nahaufnahme der frisch gravierten Messing-Plättchen mit Blumen-Logo
Druckdaten: Layout der Blume und Domain für die Gravur
Handvoll gravierter Messing-Münzen mit verschiedenen Namen
Backkarte des Schlüsselanhängers, englische Version
noch mehr aus der Schlüsselanhänger-Werkstatt
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung
Werkstattfoto: Schlüsselanhänger-Fertigung

Verheiratet wurden dann 3D-gedruckte Blume aus PLA und die personalisierte Messingmünze mit einem goldenen Schlüsselring und einem persönlich designten Perlen-Ornament, dessen Abfolge und Wahl der Perlen höchst professionell auf meinem eigenen Schreibtisch passierten. Ich halte einen gewissen Stolz daran, dass ich mir sämtliche Perlen-Sets zusammenkaufte, die 10 der schönsten Perlen hatten, die ich je sah, damit ich die erlesensten Kombinationen zusammenknüpfen kann. Das Arbeiten mit Draht und unterschiedlichen Sorten von Metallringen, Kettengliedern und Anhänger-Schlaufen mit den dazu passenden Werkzeugen wie Zange, Kneifzange, Crimp-Zange, Zange die aussieht wie die Kneifzange, aber flach… ja, mir fehlen die Worte. Diese Arbeit war mir ein seelisches Tiramisu-Löffeln.

ein seelisches Tiramisu-Löffeln

Die Schlüsselanhänger sind auf laser-gravierten Fotokarton-Backdrops mit handelsüblichem Basteldraht befestigt.

Fertiger Schlüsselanhänger auf laser-gravierter Backkarte
II

Das führt mich zum zweiten Goodie der Thank-You-Boxen: Ich wollte etwas Gehandlettertes. Freche Sprüche, die mir im Gym, auf dem Puder-Stühlchen oder nachts im Bett um halb drei einfielen. Quasi: “Fies, aber nett gemeint”. Das Gegenteil von “Nett gemeint, aber fies”. Kann man backhanded compliment als fronthanded compliment framen? Naja, ich verlaufe mich in der Semantik.

Fies, aber nett gemeint

Wir fahren fort mit dem Gehandletterten. Ich handletterte erstmal alles Mögliche. Alte Weinflaschen (hatte ich über, weil Gulasch mit Rotwein gekocht wird), kleine Glasfläschchen aus dem Miniatur-Puppen-Haus-Sortiment, dann versuchte ich es am iPad digital zu lettern und setzte auch im Layoutprogramm ein paar Texte.

Handgelettertes Motiv auf einer alten Weinflasche Weiterer Lettering-Test: Es ist doch alles gut

Am Ende wurden es Untersetzer aus schwarzem Schiefer, gekoppelt mit goldenem Lackstift. Ich behandelte die Schieferuntersetzer mit seidenglänzendem Klarlack vor, in mehreren Schichten dünn mit Trockenzeiten dazwischen. Dann trug ich per Bleistift mein Motiv auf und zeichnete dieses mit einem Lackstift nach. Und Boy, ich habe jeden Lackstift gekauft, den diese Wirtschaft gerade noch produziert bekommt. Von edding, Schneider, proring und profissima habe ich jetzt auf jeden Fall eine Ahnung davon, welches Gold den stärksten Braunstich hat.

Und Boy, ich habe jeden Lackstift gekauft, den diese Wirtschaft gerade noch produziert bekommt.
Zwei fertige Schiefer-Untersetzer mit goldenem Handlettering
mehr aus der Werkstatt
Box-Seitenwand mit Gedicht-Zeile und floralem Umriss
Bleistift-Vorzeichnung für einen weiteren Spruch auf Schiefer
Nahaufnahme des Mach-Dein-Ding-Untersetzers
noch mehr Lackstift & Schiefer aus der Werkstatt
Werkstattfoto: Lackstift und Lasergravur auf Schiefer
Werkstattfoto: Lackstift und Lasergravur auf Schiefer
Werkstattfoto: Lackstift und Lasergravur auf Schiefer
Werkstattfoto: Lackstift und Lasergravur auf Schiefer
Werkstattfoto: Lackstift und Lasergravur auf Schiefer
Werkstattfoto: Lackstift und Lasergravur auf Schiefer
III
Ein kleines Danke

Die Box hält alles zusammen. Sie ist der Anfang und das Ende des Geschenk-Erlebnisses. Hier habe ich mich für eine Kombination aus Laser-Gravur und Handlettering entschieden: Der Deckel verspricht bereits ein kunterbuntes Erlebnis mit einem floralen, aber geometrischen Motiv, geführt von der Logo-Blume als Leitmotiv. “Thank You Box For Friends” suggeriert eine Limitierung, ja eine reale Darstellung der Verknappung dieses Objekts. Nach dem Öffnen erblicken wir eine Grußformel: Hallo. Der Name des Empfängers in goldenen Handlettern ziert filigran das obere Drittel des Innendeckels. Danach ein kleiner Text, der euch abholt zu meinen Neuigkeiten (jetzt voll in Full-Time <3), meinen aktuellen Leidenschaften und eurem wohlverdienten Dankeschön.

Vektor-Reinzeichnung des Box-Deckels, geschlossene Ansicht
Deckel, geschlossen
Vektor-Reinzeichnung des Innendeckels mit Blumen-Motiv
Innendeckel, offen
Geöffnete Box mit Grußformel Hallo Annette im Innendeckel, Schiefer-Untersetzer und Schlüsselanhänger auf Backkarte
noch mehr von der Box aus der Werkstatt
Werkstattfoto: Verpackung und Gestaltung der Thank-You-Box
Werkstattfoto: Verpackung und Gestaltung der Thank-You-Box
Werkstattfoto: Verpackung und Gestaltung der Thank-You-Box
Werkstattfoto: Verpackung und Gestaltung der Thank-You-Box
Werkstattfoto: Verpackung und Gestaltung der Thank-You-Box
Werkstattfoto: Verpackung und Gestaltung der Thank-You-Box

Zusätzlich ist noch was Handzahmes und Langweiliges mit drin: Ein paar meiner Visitenkarten mit Heißgold-Folienprägung - ein schöner Hingucker. Zum Verteilen an andere. Das wär mir ein Vergnügen, wenn ihr so freundlich wärt.

Visitenkarten mit Heißgold-Folienprägung, Teil des Box-Inhalts

Und zum Schluss, damit ihr all eure Iterationswünsche an meine Box auch irgendwo niederschreiben könnt, habe ich euch noch einen Notizblock beigelegt. Weil irgendwo seine Wut runterschreiben, muss man doch immer. Mach doch einfach mal! Mach dein Ding.. Machs einfach ;-)

Notizblock, der der Thank-You-Box beiliegt
Mach dein Ding