Behälter
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Philosophisches

Behälter

Ursula K. Le Guin sagt, das erste Werkzeug war kein Speer. Es war ein Sack. Ich glaube, ich arbeite meistens so.

Ursula K. Le Guin sagt, das erste Werkzeug war kein Speer. Es war ein Sack.

Etwas, das hält. Samen, Beeren, ein Kind vielleicht. Hafer heute sammeln, schön. Hafer für morgen sammeln, dafür brauchst du was. Und dann war der Behälter geboren.

Die Geschichte, die wir kennen, geht anders: Held, Jagd, Klimax, Ende. Der Speer fliegt, trifft, die Spannung löst sich.

Aber der Sack hat kein Ende. Er hält weiter.

Irgendwo gibt es Verkaufsabende für Plastikdosen. Kochshows, Hausparties, und am Ende feilscht man über den Preis einer Dose. Wie teuer kann eine Dose schon sein. Dabei hält man gerade das älteste Werkzeug der Menschheit in der Hand.

Es erscheint mir als etwas Urmenschliches, Dingen einen Behälter zu geben. Gefühlen, Situationen: Alles braucht einen Bilderrahmen, einige mit Glitzersteinen und Heißkleber beklebt, andere rustikal und holzgeschnitzt.

Trifft der Speer meine frisch gefüllte Brotdose, ist er erstmal ein Feind. Ein Mensch hat das da eingefüllt, mit Absicht, mit Hunger, vielleicht mit Liebe. Wer dagegen agiert, agiert gegen den Menschen dahinter. Die Heldin, der Schurke, die Spannung spinnen sich wie von selbst. Doch der Speer kam nie. Mein Sandwich ist unversehrt. Das meiste im Leben passiert sensationsarm, auch wenn uns die Medienwelt gerne das Gegenteil spiegelt. Aber die wäre auch nicht interessant, wenn sie einfach nur Abbild des Lebens wäre. Dann kann man den Fernseher ausmachen. Den Flimmerkasten-Behälter.

Auf meinem Tisch steht eine Vase mit Blumen aus Pfeifenreiniger. Im Kühlschrank eine Dose mit Essensresten von gestern. Ein Schriftstück im Kuvert.

Alles hält etwas, das noch nicht fertig ist.

Ich glaube, ich arbeite meistens so. Sammeln, fassen, halten, schauen was sich drin entwickelt.

Le Guin nennt das eine andere Art, Geschichten zu erzählen. Ich nenn’s einfach Dienstag.